«Niña, sei nicht so grob! Siehst du nicht, dass du viel grösser bist als die anderen? Bella, das Spielzeug gehört nicht dir alleine, sei nicht so egoistisch! Obi, spuck sofort die Schnecke wieder aus! Ach, Espi, jetzt iss doch mal was, du bist ja nur Haut und Knochen!»

Etwa so klingt unser Alltag im Moment. Unsere Familie hat im Mai noch mehr Zuwachs bekommen. War es vor einem Monat noch ein Welpe, um den wir uns kümmerten, weil die Mutter starb, sind es jetzt deren vier. Lässt man die kleinen Racker auch nur einen Augenblick aus den Augen, bereut man es spätestens nach einer halben Minute. Und lässt du auch nur einen einzigen Gegenstand, der nicht zerkaut werden darf, in ihrer Reichweite, kannst du absolut sicher sein, dass genau dieser eine Gegenstand auserwählt und einen grausamen Tod sterben wird.

Wir können sie aber nicht behalten. Viel zu anstrengend! Meistens schlafen sie nicht so süss und ruhig wie auf dem Foto. Der Plan ist, sie hier so bald wie möglich zu vermitteln, um ihnen ein zu Hause zu geben, das etwas bequemer ist als die Strasse.

von oben nach unten und links nach rechts: Obi, Espi, Niña, Bella
v.l.n.r.: Bella, ihre Mama und Obi

Die erwachsene Lady, die auf dem zweiten Foto zu sehen ist, ist «Bellas» Mutter und eine Strassenhündin, die wir nicht füttern. Wir werden sie aber am kommenden Donnerstag sterilisieren lassen.

Die Strassenhunde hier vermehren sich rasant und wir haben eine Liste von rund zehn weiteren Hündinnen, die in der Umgebung des Grundstücks der Stiftung «Sembrar Esperanza» leben, wo wir unseren Freiwilligendienst leisten und wohnen. Sie alle sollen an den kommenden Donnerstagen sterilisiert werden – eine pro Woche. Unsere Donnerstage bis Anfang September wären damit verplant. Ob wir bis September überhaupt noch in Ecuador sind, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Unterstützung der armen Familien

An der Corona-Front mit den Lebensmittelspenden für die rund 180 Familien sind wir im Moment an der Verteilung der vierten und voraussichtlich letzten Runde.

Mittlerweile konnten einige der Empfänger der Spenden ihre Arbeit glücklicherweise wieder aufnehmen. Am kommenden Mittwoch soll die seit Mitte März geltende Ausgangssperre auch endlich etwas gelockert werden. Wir dürfen das Grundstück dann zwar nach wie vor nur für notwendige Besorgungen verlassen, aber wir müssen nicht schon um 14:00 Uhr wieder zu Hause sein, sondern erst um 18:00 Uhr. Und mit unserem Fahrzeug mit der Schlussziffer «0» auf dem Nummernschild dürfen wir dann nicht nur freitags auf die Strasse, sondern freitags und donnerstags! Whoop whoop!

Auch in Ecuador können wir also endlich die Trendwende beobachten und wir nähern uns Schritt für Schritt der Normalität. Hoffen wir, dass die aussergewöhnliche Situation bald endgültig der Vergangenheit angehören wird.

Wir durften den «Frauenfelder Nachrichten» etwas von der schwierigen Situation hier berichten. Der Artikel wurde am 18. Mai gedruckt: Die Autonummer bestimmt, wer wann auf die Strasse darf. Auch in der Linth-Zeitung wird es noch einen Artikel geben – dieser wurde aber noch nicht publiziert.

Ebenfalls wurde eine Reportage mit dem Titel «Radikal Rational» für das medico JOURNAL geschrieben. Hier geht es aber mehr um unsere Entscheidung, die Koffer zu packen, im Allgemeinen und weniger um das aktuelle Projekt in Pomasqui.

Was hat dieser höchst kurzweilige Monat gekostet?

Diesen Monat haben wir insgesamt 1746.28 Franken ausgegeben.

Also wieder ein Monat weit über 1’000 Franken! Wie letzten Monat angekündigt ist der Grund aber auch diesmal wieder meine falsche Kalkulation der Steuern 2019 von Anika.

Diese hohen Ausgaben waren also wieder budgetiert und keine Überraschung. Wir liegen insgesamt nur 30 Franken über den für den Mai budgetierten Ausgaben von 1’716 Franken.

Ausgaben Mai 2020

Stellen wir die einzelnen Posten dem Monatsbudget gegenüber, sieht es so aus:

Vergleich Budget und effektive Ausgaben Mai 2020

Gewohnt haben wir wie bisher für 85 Franken in unserem Häuschen auf dem Grundstück der Stiftung «Sembrar Esperanza».

Unser Budget fürs Essen haben wir diesen Monat um 20 Franken auf 160 Franken erhöht und wir waren mit 184.12 Franken wieder leicht darüber. In den letzten vier Monaten in Pomasqui haben sich unsere Ausgaben fürs Essen im Schnitt bei rund 180 Franken eingependelt. Das Budget für den Juni haben wir deshalb auch nochmal um 20 Franken auf 180 Franken erhöht. Für diesen Betrag schlagen wir uns hier die Bäuche voll ohne Ende. Meist kochen wir selber und ein bis zweimal im Monat bestellen wir beim Lieferdienst, um sie während der Krise etwas zu unterstützen.

Ein paar Franken gespendet haben wir wie auch in den letzten Monaten für unsere Freunde Oli und Pati und unser Patenkind hier in Pomasquije 50 Franken.

In der Kategorie Versicherungen haben wir wie bisher unsere unveränderten Krankenkassenprämien verbucht.

Für Internet und Handy haben wir 10 Franken weniger ausgegeben als erwartet. Letzten Monat hat mein ecuadorianischer Mobile-Anbieter meinen Prepaid-Tarif ja spontan von 5$ auf 10$ verdoppelt. Wir haben unser Budget deshalb auch erhöht, aber schlussendlich 0 Franken für die lokale SIM-Karte ausgegeben und kein Datenpaket gekauft. Während der Ausgangssperre halten wir uns vielleicht ein paar Stunden pro Monat nicht zu Hause auf. Da kann man auch mal offline sein. War sogar richtig schön, nicht rund um die Uhr erreichbar zu sein! So sind diesen Monat nur die üblichen 46 Franken für Anikas Schweizer Abo angefallen, das wir erst per Oktober kündigen können.

Anderes: Hier war im Mai die jährliche Zahlung von 100 Franken für unseren Google-Drive-Cloud-Speicher (2 TB) fällig.1 Etwa 50 Franken flossen in Hundefutter und diverse Mittelchen gegen den krassen Flohbefall der kleinen Vierbeiner. Die restlichen paar Franken gingen für Haushaltsartikel wie Toilettenpapier, Putzmittel, Zahnpasta und derlei drauf.

Steuern: Wie in den letzten Monaten verbuchten wir einen ordentlichen Batzen in dieser Kategorie. Bei Anika durften wir für 2019 noch 634.15 Franken nachzahlen. Zusätzlich durften wir für 2020 je 50 Franken an Steuern für das Jahr 2020 zahlen. Dies ist der Beitrag für die freiwillige Feuerwehr, der offenbar in Frauenfeld nie unter 50 Franken sinkt. Ansonsten beträgt die provisorische Rechnung für unsere Einkommenssteuer im Jahr 2020 null Franken, da unser voraussichtliches Einkommen dieses Jahr so gering ist. Wenn sich das in den nächsten Monaten ändert, werden wir dann eine korrigierte provisorische Rechnung anfordern.

Einnahmen übersteigen Ausgaben bei Weitem

Im Mai haben wir insgesamt 3’093.55 Franken eingenommen.

Der Grossteil davon stammt aus meiner 30%-Anstellung in der Schweiz. Da Anika letztes Jahr nicht das ganze Jahr und nur Teilzeit arbeitete, konnten wir zudem die Krankenkassen-Prämienverbilligung 2020 für sie beantragen, die jetzt teilweise ausgezahlt wurde. Auch ihre Prämien für die kommenden Monate sollten jetzt deutlich günstiger werden. Unsere monatlichen Fixkosten fallen damit deutlich unter 800 Franken, solange wir uns in Pomasqui aufhalten.

Mein aktueller Vertrag mit meinem Schweizer Arbeitgeber läuft noch bis Ende Juli. Wird er danach verlängert, könnten wir die nächsten Monate also ganz schön auf den Putz hauen!

Damit wir wieder mehr Geld ausgeben können, müsste hier zunächst aber die Ausgangssperre aufgelöst werden. Wann das passieren wird, steht noch in den Sternen. Auch abgesehen davon gibt es noch einige Fragezeichen. Wie lange können wir noch in Ecuador bleiben? Wie teuer werden unsere Visa? Und wie teuer werden die Impfungen, Bluttests und Dokumente für unseren Hund «Smiley», der uns künftig begleiten wird? Und wie viele neue Laufschuhe werde ich noch kaufen müssen?

Guten Appetit, Smiley!

1 Hier gehts zum Artikel über unser digitales Büro, der zeigt, wie wir die verschiedenen Cloud-Speicher nutzen.